Verzicht auf Sonntagsfahrverbot, Annahmestopp von China-Paketen und zahlreiche Messeabsagen: So nimmt der Coronavirus aktuell Einfluss auf die deutsche Logistik-Branche.

Übertragung durch Pakete?

Sowohl die DHL als auch DPD haben bereits deutliche Einschränkungen bei der Pakerzustellung in bestimmte Gebiete vornehmen müssen. Da einige Regionen in China und Italien komplett abgeriegelt wurden, können auch keine Sendungen mehr in den Gebieten zugestellt werden. Beide KEP-Dienstleister haben einen Annahmestopp für Pakete nach China verhängt, ähnlich sieht es auch für Sendungen mit Zielland Italien aus.

Aber auch in die umgekehrte Richtung hat der Virus bereits erhebliche Auswirkungen auf die Paketbranche. Aus Angst vor einer Ansteckung holen aktuell viele Online-Shopper ihre Wish-Pakete nicht ab. Der Billigmarktplatz bezieht seine Waren zu großen Teilen aus China, die Sendungen stapeln sich nun in den Paketshops. Eine Übertragung des Virus ist laut der Weltgesundheitsorganisation allerdings unwahrscheinlich. „Personen, die Pakete aus China erhalten, sind nicht gefährdet, sich mit dem neuen Coronavirus anzustecken. Aus früheren Analysen wissen wir, dass Coronaviren auf Gegenständen wie Briefen oder Paketen nicht lange überleben“, schreibt die Organisation in einem entsprechenden Facebook-Post.

Erste Lockerung beim Lkw-Sonntagsfahrverbot

Dass sich Deutschland bereits jetzt auf das Schlimmste vorbereitet, sieht man auch in den Supermärkten. Noch vor Corona hat sich ein Teil der Bevölkerung mit dem Virus „Hamsterkauf” angesteckt. Das Resultat sind leere Regale. Besonders Nudeln, Toilettenpapier und Desinfektionsmittel bekommt man dieser Tage nur schwer. Um gegen diese Versorgungsengpässe vorzugehen, wurde vom Bund jetzt ein Verzicht des Sonntagsfahrverbots von Lkw gefordert. Mit Bayern und Nordrhein-Westfalen haben die ersten beiden Bundesländer bereits reagiert und das Lkw-Fahrverbot an Sonn- und Feiertagen bis zum 30. Mai gelockert. Das Bundesverkehrsministerium empfiehlt einen Verzicht der Kontrollen des Sonn- und Feiertagsfahrverbots bis zum 5. April, so die Verkehrsrundschau.

Lkw-Fahrer verweigert Weiterfahrt nach Italien

Die Verunsicherung, wie mit dem Virus umgegangen werden soll, macht sich auch unter den Fernfahrern breit. Nach Informationen der Verkehrsrundschau hat ein Lkw-Fahrer vergangene Woche die Weiterfahrt nach Italien verweigert. Er habe sein Fahrzeug mitsamt Ladung am Brenner abgestellt, das Unternehmen habe daraufhin einen Ersatzfahrer gesucht. Der Mann wollte sich nicht nur vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus schützen, auch einer möglichen Quarantäne von zwei Wochen wollte er entgehen. Diese hätte ihm bei Wiedereinfahrt in sein Land auferlegt werden können.

Messeabsagen und Milliardenverluste

Inzwischen sind auch zahlreiche Messen dem Virus zum Opfer gefallen, unter anderem die LogiMAT. Während einem Teil der Veranstaltungen ganz der Stecker gezogen wurde, sollen andere in die zweite Jahreshälfte verlegt werden. Dies führt nicht nur zur Riesenverlusten bei Messebauern, auch der gesamte Welthandel wird den Coronavirus deutlich spüren. Nach Informationen des Kreditversicherers Euler Hermes werde das Virus den Welthandel pro Quartal stolze 320 Milliarden US-Dollar kosten. „Trotzdem ist das kein Grund zur Panik”, betont Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in der DACH-Region. „Die wirtschaftlichen Auswirkungen dürften sich global gesehen insgesamt in Grenzen halten, wenn es bei einem kurzfristigen Schock bleibt: Für das Gesamtjahr erwarten wir durch das Coronavirus aktuell ‘nur’ einem Verlust von 0,2 Prozentpunkten an Wachstum für die Weltwirtschaft.”